Bei der Geburt eines Kindes handelt es sich um eine enorme körperliche Leistung, die noch weit über die Entbindung an sich hinausgeht.
Der Körper einer Frau durchläuft in der Schwangerschaft und während der Geburt massive Veränderungen – insbesondere der Beckenboden, die Bauchmuskulatur und die Gelenke sind davon betroffen. Nach der Geburt drängt bei vielen Müttern die Frage: Wann kann ich mit der Rückbildung beginnen und was sollte ich dabei beachten?
Warum ist die Rückbildung so wichtig?
Während der Schwangerschaft weichen die Bauchmuskeln auseinander, um Platz für das wachsende Baby zu schaffen. Gleichzeitig wird das Bindegewebe weicher und der Beckenboden trägt eine deutlich höhere Belastung. Dieser Muskelkomplex ist entscheidend für die Stabilität des Rumpfes, die Kontrolle über Blase und Darm sowie eine gesunde Körperhaltung.
Ohne eine gezielte Rückbildungsgymnastik können langfristige Beschwerden wie Inkontinenz, Rückenschmerzen oder eine Rektusdiastase − also bleibende Spalte zwischen den geraden Bauchmuskeln − entstehen.
Wann ist der beste Zeitpunkt für den Start?
Die Faustregel lautet: Sechs bis acht Wochen nach einer Spontangeburt und etwa acht bis zwölf Wochen nach einem Kaiserschnitt kann mit sanften Rückbildungsübungen begonnen werden.
Die Voraussetzung besteht jedoch darin, dass sich die Mutter körperlich bereit fühlt und keine medizinischen Kontraindikationen bestehen. Viele Hebammen empfehlen, schon frühzeitig mit sanften Atem- und Wahrnehmungsübungen für den Beckenboden zu beginnen.
Intensivere sportliche Aktivitäten sollten jedoch erst dann aufgenommen werden, wenn die Rückbildung bereits fortgeschritten ist. Frauen, die nach der Geburt Beschwerden haben oder unsicher sind, können sich auch nach einer Physio in ihrer Nähe erkundigen, um sich individuell beraten und von Experten unterstützen zu lassen.
Welche Übungen sind wirklich sinnvoll?
Der Fokus liegt zunächst auf der Aktivierung und Kräftigung des Beckenbodens. Viele Frauen nehmen diesen Muskel anfangs kaum wahr, da er in der Schwangerschaft stark gedehnt wurde.
Sanfte Anspannungsübungen im Liegen oder Sitzen helfen, die Kontrolle zurückzugewinnen. Erst wenn die Grundspannung wiederhergestellt ist, sollten sanfte Kräftigungsübungen für die Rumpfmuskulatur folgen.
Besonders wichtig: Crunches oder Planks sind in den ersten Monaten nach der Geburt tabu. Sie können die Rektusdiastase verstärken. Stattdessen sind Übungen im Vierfüßlerstand oder sanfte Beckenbodenaktivierungen in Kombination mit einer tiefen Bauchatmung empfehlenswert.
Wann darf wieder „richtig“ Sport gemacht werden?
Viele Mütter sehnen sich danach, endlich joggen zu gehen, im Fitnessstudio durchzustarten oder einfach ihre Lieblingssportart wieder auszuüben. Doch ein verfrühter Einstieg kann sich problematisch zeigen.
Vor allem Sportarten mit einer hohen Belastung wie Joggen, Springen oder intensives Krafttraining sollten erst nach rund sechs Monaten wieder aufgenommen werden − sofern der Beckenboden dann stabil genug ist. Wer unsicher ist, kann dies im Rahmen der Nachsorgeuntersuchung oder in einer spezialisierten Rückbildungsklasse abklären.
Besonders empfehlenswert sind sanfte Sportarten wie Schwimmen, Yoga oder Nordic Walking. Sie belasten den Beckenboden nicht übermäßig und fordern den Körper trotzdem aktiv.
Häufige Fehler bei der Rückbildung – und wie sie vermieden werden
Viele Frauen sind unsicher, wie viel sie ihrem Körper nach der Geburt zumuten können. Zu den häufigsten Fehlern gehören:
- Zu früher Einstieg in intensiven Sport: Der Beckenboden braucht Zeit, um sich zu regenerieren. Zu viel Druck kann langfristig zu Blasenschwäche oder Organsenkungen führen.
- Ignorieren einer Rektusdiastase: Wer zu früh mit klassischen Bauchmuskelübungen beginnt, riskiert eine bleibende Spalte zwischen den Muskeln.
- Fehlende Beckenbodenaktivierung: Auch wenn die Geburt unkompliziert war, ist gezieltes Training unerlässlich.
Mit Geduld und gezieltem Training zurück zur alten Stärke
Die Rückbildung braucht Zeit – und genau diese sollte sich jede Mutter nehmen. Ein schrittweiser, achtsamer Aufbau stärkt nicht nur den Körper, sondern fördert auch das Wohlbefinden.
Wer auf sanfte Beckenbodengymnastik setzt und seinen Körper nicht überfordert, legt die besten Grundlagen für eine gesunde, aktive Zukunft – ganz ohne Spätfolgen.